Das aktuelle Trendbarometer (RTL/ntv vom 30. September 2025) setzt ein deutliches Signal: AfD 27 %, CDU/CSU 24 % (-1), SPD 13 %, GRÜNE 12 % (+1), LINKE 11 %, BSW 4 %, FDP 3 %, Andere 6 %. Diese Zahlen sind mehr als eine Momentaufnahme. Sie spiegeln eine tiefe Verunsicherung wider – und sie sind ein klarer Auftrag, Politik wieder konkret, gerecht und lösungsorientiert zu machen.
AfD: Wachstum ohne Lösungen
Warum legt die AfD zu, obwohl sie keine tragfähigen Konzepte vorlegt? Sie bedient den „Einfache-Antworten-Reflex“ in einer Zeit multipler Krisen. Wenn Preise steigen, Kriege eskalieren, Wohnraum fehlt und Verwaltungen überlastet sind, wirken harte Parolen wie Klarheit – sie geben Klarheit aber nicht.
Die AfD dient zudem als Protestventil: Viele Stimmen sind weniger Zustimmung zu einem Zukunftsprojekt als vielmehr Ausdruck von Frust über politische Rituale. Hinzu kommt ihre Empörungsökonomie: Zuspitzung erzeugt Reichweite, Reichweite schafft gefühlte Relevanz. Sie reduziert komplexe Themen auf ein einziges Framing – meist Migration – und verdrängt damit die Differenzierung, die für echte Lösungen notwendig ist. Desinformation und Emotionalisierung, vor allem in sozialen Netzwerken, verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Ein weiterer Grund ist die allgemeine Vertrauenskrise der Mitte: Wenn demokratische Parteien ihre Konflikte vor allem gegeneinander austragen, wächst der Raum für jene, die pauschal gegen „die da oben“ Stimmung machen. Inhaltlich bleibt die AfD jedoch vage oder widersprüchlich. Ob Rente, Energieversorgung oder Kommunalfinanzen – es überwiegt das „Nein“, nicht das „Wie“. Die AfD ist laut im Problem-Benennen, aber leise im Problem-Lösen.
CDU/CSU: Soziale Gerechtigkeit als blinder Fleck
Auch die Union verliert weiter an Bindekraft. Ein Grund dafür liegt in ihrer Unschärfe bei der sozialen Gerechtigkeit. Wer soziale Sicherung vor allem als Kostenblock behandelt, verliert das Vertrauen derer, die mit realem Preis-, Miet- und Lebensdruck ringen. Starke Wirtschaftsappelle ohne konkrete Angebote für niedrige und mittlere Einkommen bleiben unglaubwürdig.
Beim Wohnen dominieren Symbole, während die konsequente Förderung von bezahlbarem Wohnraum zu schwach ausfällt. In der Rentenpolitik fehlen Perspektiven, die kleine und mittlere Renten wirklich absichern. Im ländlichen Raum ersetzt Sparen kein Konzept für Nähe – weder zu ÖPNV noch zu Ärzt:innen, Kitas oder Verwaltungen. Und in der Klima- und Industriepolitik wird Modernisierung häufig als Verzicht erzählt, statt als Chance für neue Jobs, Wertschöpfung und Unabhängigkeit. Das Ergebnis ist eine Kurs-Unklarheit: Für wen macht die CDU eigentlich Politik? Für Pflegekräfte? Für Alleinerziehende? Für Pendler:innen?
Politik ohne Solidarität?
Eine Politik ohne Solidarität treibt die Menschen in die Hände der Rechtspopulisten.
Wilfried Gierden
Dieses Zitat bringt die Kernproblematik auf den Punkt. Wo Solidarität fehlt, entsteht soziale Kälte. Menschen fühlen sich abgehängt, ihre Sorgen übersehen und ihre Stimmen nicht mehr gehört. Werden politische Versprechen nicht eingehalten, öffnet das Tür und Tor für rechte Parolen.
Doch rechte Ideologien sind keine Lösung. Sie spalten die Gesellschaft, zerstören Vertrauen und bieten keine Perspektive für die Zukunft.
Fazit: Verlässlichkeit und Zukunft statt Populismus
Die AfD wächst, weil sie Gefühle bedient und nicht, weil sie Lösungen hat. Die CDU verliert, weil sie soziale Fragen zu oft als Nebensache behandelt. Die Aufgabe der Demokrat:innen ist es deshalb, soziale Sicherheit und Klimaschutz zusammenzubringen: spürbare Entlastung im Alltag, Investitionen in Infrastruktur, eine klare Industrie- und Energiepolitik. All das muss gerecht finanziert, solide umgesetzt und vor Ort erlebbar sein.
Genau daran arbeiten wir GRÜNE im Kreis Euskirchen und in Blankenheim – Schritt für Schritt. Wir haben sicher nicht auf alles sofort die perfekte Antwort und machen ebenso Fehler oder müssen unterwegs Kurskorrekturen vornehmen. Politik ist kein einfaches Schwarz-Weiß, sondern oft mühsame Arbeit im Detail. Aber wir hören zu, wir lernen und wir nehmen die Sorgen der Menschen ernst. Wir wissen, dass Vertrauen nicht durch große Worte entsteht, sondern durch konkrete Taten, die spürbar etwas verbessern.
Nur so entziehen wir dem Populismus den Boden: mit Solidarität, Gerechtigkeit und einer Politik, die die Menschen nicht nur hört, sondern auch ernsthaft handelt – auch wenn der Weg manchmal länger und schwieriger ist, als wir selbst gehofft haben.

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